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Wir Menschen sind nicht perfekt. Und Mensch-Sein ist ein immer währender Prozess, ein fortschreitender Progress, in welchem man immer besser wird – hoffentlich. Und es gibt Momente, da wissen wir nicht weiter und brauchen Rat. Was tun?

Im Idealfall gehen wir unsere Telefonliste durch: Wer kann helfen? Dann die Mailingliste. Vielleicht Facebook? Wer könnte wen kennen, der hilft? Aber würden wir denn wegen jeder kleinsten Lappalie gleich um Hilfe bitten? Ich gehöre ja eher zu den Menschen, die inzwischen ein schlechtes Gewissen haben, weil sie zu viele Fragen stellen und das wiederum ständig und unaufhörlich). Fragen kostet ja bekanntlich nichts. (Nervt nur höchstens. Aber ideal wäre doch so ein Kriegsbeirat, den man ohne schlechten Gewissens jederzeit einberufen könnte. Auch ohne, dass ein dritter Weltkrieg droht.

Was ist ein Beirat?

Zuallererst: Ein Beirat hat keine entscheidende Funktion. Im Rahmen ihrer besonderen Expertise, fachkundigen Kompetenz und erfahrenen Rolle geben die Mitglieder eines Beirats Empfehlungen ab. Da die Mitglieder eines Beirats auch aus verschiedenen Bereichen kommen und unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben, ergibt sich ein sehr diverses Meinungsbild. Der Vorteil eines Beirats ist , ein Problem aus verschiedenen Perspektiven beleuchten zu können und ein ganzheitliches  und mannigfaltiges Bild geliefert zu bekommen. Die Entscheidungsinstanz ist meist eine andere. Das sind in diesem Fall wir. Genauer: DU!

Wer ist in einem Beirat?

In einen Beirat wird man meist benannt oder berufen, eben weil nicht jeder diese Aufgabe erfüllen kann. Maßgeblich, um passende Verbündete auszuwählen ist natürlich die Frage, wozu dieser Beirat eigentlich Empfehlungen abgeben soll. Ich nenne die Mitglieder des Beirats im weiteren Verlauf „Verbündete“, weil sie dir helfen sollen dein entsprechendes Ziel zu erreichen oder Problem zu lösen. Sie sind dazu da, dir beizustehen – komme, was wolle. Es mag in der realen Politik anders ausschauen, aber für die Verbündeten in deinem Kopf sieht es anders aus. Rule your mind, sagte schon Buddha.

Wozu brauchst du Verbündete im Geist?

Der Zweck des Beirats bestimmt, wer im Beirat als dein Verbündeter sitzen soll. Nun gibt es zwei Möglichkeiten:
1. Du bildest  einen allgemeinen Beirat bilden, der in Notfallsituationen einfach abrufbar bzw. anrufbar ist. 
Kurz: Du implementierst Stimmen in deinem Kopf, die jedoch statt schizophren und destruktiv, ironischerweise konstruktiv und bereichernd sind. Wie ich gestern jemandem erklärte: Solange dir bewusst ist, dass du mit Stimmen in deinem Kopf redest und bewusst versuchst mit diesen Stimmen zu diskutieren ist das halb so schlimm. Also wie erwähnt, du musst erst einmal klären, ob du einen allgemeinen oder einen zweck- bzw zielorientierten Rat brauchst, der dir bei einer bestimmten Sache helfen soll.

Welche Art von Verbündete stehen zur Auswahl?

Berater und Coaches:
Zu diesen Verbündeten zählen alle, deren Ratschlag du aufgrund ihrer Weisheit und Erfahrung schätzt. Was du brauchst, sind einfach Menschen mit Expertise, die du aufgrund ihrer Weltanschauung bewunderst und ihre Gedanken als bereichernd empfindest. Beachte: Die Übung setzt voraus, dass du, um erfolgreich Berater und Coaches als geistige Verbündete befragen zu können, genug über diese Menschen weißt. Immerhin ist Ziel der Übung, dass du dich in deren Sichtweise hineinversetzen kannst. Die Crux ist also zu wissen, wie diese Personen argumentieren bzw. konkret Informationen und Wissen anwenden und zwischen diesen geistig auch noch argumentativ zu wechseln weiß. Mit etwas Übung klappt das ganz super. Frag meine Stimmen, wenn du das nicht glaubst.

 

Cheerleader:
Nein, das ist kein Scherz. Du hast richtig gelesen: Cheerleader. Optional hast du die Wahl zwischen verdammt gelenkige Personen, die mit extremst grell-farbigen Pompons bewaffnet akrobatische Jubelschreie ausführen oder eben die eigene Mom, die immer für einen da ist, egal, was für einen Mist du verzapft hat. Du entscheidest, was du brauchst. Und ich möchte festhalten: Jeder Mensch braucht Verbündete, die einen aufbauen und einfach pushen. Nicht kritisieren oder meckern, sondern einfach nur begeistert sind, von dem was man tut und total euphorisch jubeln „Yeah, Just do it!”  Cheerleader sind Verbündete, die hinter dir stehen, wann immer du sie brauchst. Ich finde, dass die Funktion der Cheerleader unterschätzt wird: Sie feuern nicht nur das eigene Team an, sondern sind zuständig das Publikum anzuspornen. Sie sind also ideal, wenn du vor dem Problem stehst, andere von dir zu überzeugen. Vergiss nicht: Es geht bei dieser Übung darum eine Vielfalt von positiven Mind-Sets zur Verfügung zu haben.

 

Inspirator und Musen:
Im Gegensatz zu Cheerleadern, sind Musen eben einfach inspirierend. Sie lassen durch ihr Wesen, ihre Art zu denken, durch ihre Wortgewandtheit oder Lebenseinstellung den Funken zu dir überspringen, genau dann, wenn du Kreativität am meisten brauchst. Inspiratoren sind solche geistig Verbündete, die ganz anders sind als du und auf Lösungen kommen, zu denen du erst über 5 Ecken kommst. Es sind oft Querulanten, Querdenker und verrückte Personen, die dein Weltbild in Frage stellen. Sie helfen oft eigene Handlungsmuster zu durchbrechen. Sie sind dadurch bereichernd, dass sie deinen Horizont erweitern. Selbstverständlich können es Menschen sein, denen du nie ähneln wollen würdest, aber deren Sichtweise und Standpunkte in vielen Dingen des Lebens eben ein Teil des Lebens sind, den du in der Abwägung eines Problems beachten solltest. Und bissl Verrücktheit würde doch allen irgendwie gut tun. Irgendwie haben doch viel zu viele Menschen einen Stock im Arsch und lachen zu wenig. Ist doch schade!

 

Gleichgesinnte:
Selbstzweifel befallen uns nicht nur dann, wenn wir kritisiert werden, sondern wenn wir das Gefühl haben anders zu sein, allein zu sein. Gerade für Hochbegabte, Vielbegabte und kreative Chaoten, eben Querdenker, die ausserhalb des Rahmens denken. Für uns Scanner kann das Gefühl fremd zu sein und anzuecken auch (ver)störend sein. Störend den eigenen Träumen und Visionen nachzujagen. Gleichgesinnte sind Menschen, die dir im Wesentlichen ähnlich sind, sodass du dich in deren Gegenwart wohl fühlst. Seelenverwandte, ob nun historisch, fiktiv oder aus der Kindheit. Verbündete, unter denen du dich wohlfühlst. Verbündete, die dich bestärken deinen eigenen Weg zu gehen und in den größten Momenten des Selbstzweifels da sind, um dich aufzufangen. Denn meist braucht man in solchen Momenten doch nur moralische Unterstützung, da sind geistige Verbündete ideal.

 

Wozu eigentlich diese ganze Übung?
Ich könnte nun weitere sprachliche Ausdifferenzierungen ausführen z.B. Unterstützer, Leitbilder oder Mentoren und glaub mir, ich kann das bis zum Exzess, ich schimpfe mich immerhin Philosophin. Aber wichtig für das Verständnis dieser Übung ist es eigentlich nicht. Wenn ich ehrlich bin, ist es auch vollkommen egal, in welche Kategorie du nun deine Verbündeten steckst. Letztendlich sind die Grenzen eh fließend. Wichtig ist allerdings, dass du das Konzept verstehst. Also dass verschiedene geistige Verbündete verschiedene Funktionen und Rollen ausführen. Du musst für dich die Frage klären, welche du nun brauchst. Und mit „nun” meine ich den Moment, in dem du die Frage stellst. DU musst die geistigen Verbündeten geistig greifen können. DU musst denen das Label auf die Stirn kleben, dass dir verständlich macht, welchen Zweck sie erfüllen und welches Ziel sie in jedem Moment verfolgen. Nun wird's noch schwieriger: Du musst für dich klären, welche Verbündete du am meisten brauchst. Klar, kannst du nun sagen: „Ich brauch alle”… Jaaa, das geht. Aber du kennst doch sicherlich auch den Spruch: Viele Köche verderben den Brei, oder?

Lass dich auf diese Übung ein!

Gemäß dem Fall du machst diese Übung, das setze ich voraus, wenn du bis hierhin gekommen bist, dann brauchst du einen geistigen Beirat, der die perfekte Größe hat um ein breites Meinungsbild zu vermitteln ohne dich zu überfordern. Maß bist du, es gilt dich zu unterstützen, nicht zu überfordern. Eben eine Kleingruppe, die noch am Kneipenstammtisch sitzen kann, sodass jeder jeden Beitrag mitbekommt, ohne dass man schreien muss, ständig nachfragen muss, was der Eine denn nun gesagt habe oder im schlimmsten Fall blöd nickt und so tut als hätte man was verstanden. Hat jeder schon erlebt. Muss nicht sein — vorallem nicht, wenn du mit Stimmen in deinem Kopf redest. Die Beratung muss noch chronologisch im Kopf stattfinden können, ohne dass sie dich verwirrt.

 

Ich bitte dich, diese Übung auszuprobieren. Und ganz im Ernst, ich erwarte, dass du nachdem du diesen Artikel gelesen hast, mir in den Kommentaren schreibst, wer deine Verbündete sind. Wir lesen täglich so viele Sachen, Tipps und Tricks das Leben zu meistern und wir investieren Zeit. Es nützt allerdings nichts, wenn wir es nicht auch ausprobieren. Und ich muss hier penetrant und provokant noch einmal nachhaken „Do it or leave it!” . Und das gilt für alles im Leben. Stell dir einen wütenden amerikanischen Coach vor, der dich anbrüllt: „VERDAMMT NOCHMAL, NUN SCHNAPP DIR ENDLICH STIFT UND PAPIER, UM DIESE BEKNACKTE ÜBUNG ZU MACHEN! WIESO BIST DU NICHT VORBEREITET? ENTWEDER MACHST DU NUN MIT ODER SCHLIESS DAS BESCHISSENE  BROWSERFENSTER! NA LOS". Dieses grandiose Bild in deinem Kopf? Haha, das bin ich. Der fiese Möp, der dir den Arsch aufreißt, wenn du nicht endlich den Hintern bewegst. Das kann ich ziemlich gut. Hat dich diese morbide Vorstellung dazu gebracht, wirklich nun Stift und Papier in die Hand zu nehmen? Perfekt. Verstört und erschreckt sie dich, werden wir wohl nie Freunde werden. Schade, aber auch. Allerdings sind wir nun einen Schritt weiter: Wir wissen, was du nicht brauchst. Versuchen wir also ein anderes Bild: Kennst du diese netten höflichen, immerzu lächelnden Flugbegleiterinnen, denen du einfach blind folgst? Immerhin haben sie deine Sicherheit und dein Bestes im Sinn: „Lieber Leser und liebe Leserin, ich würde Sie bitten zu Ihrem eigenen besten ein Dokument ihrer Wahl zu öffnen. Wenn Sie diese Übung als Zeitverschwendung ansehen, drücken Sie bitte das rote X. Sollten Sie Beschwerden zum Umgangston haben nutzen Sie bitte das Kontaktformular. Für eventuelle Lachflashs, Rückfragen oder generelle Rückmeldungen steht Ihnen die Kommentarfunktion unten zur Verfügung. Wir wünschen Ihnen eine kreative Reise in Ihre Vorstellungskraft und viel Erfolg beim Finden hilfreicher Verbündeter!"

 

Was brauchst du? Geistige Verbündete helfen dir, deine Schwächen auszugleichen. Brauchst du oft jemanden, der dich anleitet, wie eine freundliche Stewardess, anfeuert wie ein euphorischer Cheerleader oder dich pusht wie ein temperamentvoller Coach? Was fehlt dir, um Bestleistung zu bringen? Was hilft dir, um tätig zu werden?

Der Life-Balance-Council

Fangen wir mal einfach an zu sammeln, wen wir als Verbündeten anrufen würden. Und wir sind gerade in der Brainstorming-Phase., d.h. wir suchen gerade nach Menschen, die cool genug sind, um zu unserer Party zu kommen. Menschen, über deren erscheinen wir uns freuen, die wir bewundern, die gute Laune bereiten. Da finde ich zwei Ansätze ganz spannend. Die erste ist die Suche anhand von Lebensbereichen. Indem wir alle Lebensbereichen nach Vorbildern abgrasen, haben wir alle alltäglichen Bereiche des Lebens durchforstet mit denen wir uns meisten auseinandersetzen müssen. Meist finden wir Vorbilder ja nicht rundherum toll, sondern nur in einem bestimmten Aspekt.

 

Zu den 6 Lebensbereichen* zählen:
  1. Beziehungen (Familie, Partnerschaft, Freunde)
  2. Persönliche Entwicklung
  3. Freizeit
  4. Gesundheit
  5. Finanzen
  6. Job/Karierre

* Meistens unterteilt man die Lebensbereiche in 6 Teile auf. Du kannst sie aber weiter ausdifferenzieren oder zusammenfassen, wie es dir am besten hilft.

 

Wen bewunderst du, wie er oder sie seine Freundschaften handhabt? Wen würdest du gerne um Rat fragen, wenn du Beziehungsprobleme hast. Wer kriegt deines Erachtens die familiären Aspekte des Lebens super geregelt. Wer hat eine spannende Freizeitgestaltung und findet noch genug Zeit für seine Hobbys? Wer kriegt sein Ressourcenmanagement gut hin? Wer kümmert sich um seine Fitness und schafft es gesund zu bleiben?

 

Wenn du übrigens gerade von Frage zu Frage skippst, machst du was falsch. Lass doch einfach mal die 50.000 Tabs ruhen und dein blinkendes Handy oder das Mailprogramm. Konzentrier dich mal wenige Minuten auf diese Fragen und finde Antworten. Wer fällt dir ein? Welches Gesicht ploppt dir vor deinem geistigen Auge auf? In welchen Bereichen bräuchtes du Rat? Auf wen blickst du auf? Wen hättest du gern als Verbündeten? Gehen wir davon aus, du hättest immens viel Geld, wen würdest du bezahlen, um dich zu beraten und zu helfen die beste Version deiner Selbst zu werden? Hast du an dieser Stelle keine Ahnung, hilft vielleicht die Frage: Welche Fragen stellst du dir überhaupt im Leben? Und sei es die Frage, ob du nun die blaue oder schwarze Hose anziehen sollst. Auf wessen Rat würdest du vertrauen?

 

Der zweite Ansatz ist, die Menschen abzugrasen, für die sich diese Übung wirklich lohnt.
  1. Welche historisch bedeutsame Persönlichkeit, im Idealfall gestorben, spornt dich an und bewunderst du?
  2. Welche Person aus deiner Kindheit, im Idealfall heute grau und tatterig, aber früher cool, ist dir in positiver Hinsicht im Gedächtnis geblieben, weil sie dich unterstützt und an dich geglaubt hat?
  3. Welche fiktive Person, im Idealfall zu verrückt um wahr zu sein, findest du bewundernswert und würdest du dir gerne in der Realität wünschen?
  4. Wer imponiert dir heute als Erwachsener?

Ich wiederhol's für diejenigen, die bisher immer noch nicht in den Startlöchern stehen. Die Bereitschaft tätig zu werden, ist die Bedingung dafür, dass diese Übung überhaupt erfolgsversprechend sein kann. Vorstellungskraft und Auswahl deines Beirats sind zweitrangig. Mitglieder kannst du austauschen, wenn sie ihre Arbeit nicht tun. Wichtig ist allerdings, dass ein Beirat überhaupt tagt und dazu muss er eingeladen werden. Frag also einfach mal deinen Verbündeten im Geiste um Rat!