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Zitat des Augenblicks

„Verbrennen musst du dich wollen in deiner eignen Flamme: Wie wolltest du neu werden, wenn du nicht erst Asche geworden bist!”
Friedrich Nietzsche, dt Philosoph (1844-1900)

ca. 4 min Lesezeit
Differenzierte Betrachtung von Gewohnheiten Rituale und Routinen

Jeder Mensch hat Gewohnheiten und angeblich sollen wir min. 40% jeden Tages mit regelmäßigen Tätigkeiten verbringen. Dazu zählen sicherlich gute Angewohnheiten, wie das regelmäßige Zähneputzen oder auch schlechte Eigenarten wie das Rauchen. Doch was ist eigentlich dran an diesen Gewohnheiten? Sind sie gut oder schlecht? Und wieso unterscheide ich zwischen Ritualen und Routinen?

Was bedeutet „Gewohnheit”?

Zieht man den Duden zurate gibt er für „Gewohnheiten” folgende Bedeutungserklärung: „durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung, Eigenheit; etwas oft nur noch mechanisch oder unbewusst Ausgeführtes”. Auch die Synonyme sind aufschlussreich. So finden wir einerseits Wörter wie Brauch, Sitte oder Tradition, aber auch Automatismus, Eigenheiten, Marotten und Ticks. Wir halten fest:

  1. Gewohnheiten zeichnen sich durch Regelmäßigkeit aus
  2. Gewohnheiten sind selbstverständlich und gehören zur Eigenheit der Person

Sind Gewohnheiten gut oder schlecht?

In der Bandbreite der Synonyme von Marotte bis Eigenheit wird klar, dass man implizit eine Wertung vornimmt, ob sie negativ oder positiv sind. Aber wer entscheidet, ob etwas gut oder schlecht ist? Es gibt Menschen, die haben die verschiedensten Ticks, die von außen betrachtet merkwürdig erscheinen, aber für die Person selber förderlich sind. Menschen, die laut alles vor sich hersagen müssen, was sie tun, damit sie geordnet bleiben. Von außen betrachtet extremst nervig — vorallem für die eigene Arbeit. Menschen, die eigentümlich sitzen, weil sie dabei besser denken können. Von außen betrachtet total skurril. Ich denke, dir fallen ähnliche Bespiele von Personen in deinem Umkreis oder von dir selber ein. Gewohnheiten von außen zu beurteilen ist immens schwer, da sie einerseits ja nicht die eigenen sind, und andererseits man nicht seinen Wertemaßstab über das Leben eines anderen stülpen kann.

Wie beurteilen wir Gewohnheiten?

Ich denke, wir sollten Gewohnheiten nicht danach beurteilen, ob etwas normal ist. Zeichnen sich nicht Gewohnheiten dadurch aus, dass sie zu einem speziellen Menschen gehören? Dann können doch auch die Gewohnheiten speziell sein. Um über etwas zu urteilen brauchen wir aber trotzdem einen Wertemaßstab. Wonach urteilen wir also? Nach welchen Kriterien? Im Hinblick auf das Ideal eines guten Lebens scheint doch ein gutes Kriterium zu sein, ob sie der Person förderlich sind. Kurz: Tut diese Gewohnheit der Person gut?

Rituale vs. Routinen

  • Rituale werden bewusst durchgeführt. Mit der Durchführung eines Rituals ist etwas bezweckt.
  • Routinen sind automatisch und unbewusst. Es zählt, dass sie durchgeführt werden.

Gewohnheiten Routinen Rituale

Das Ritual: Der Genuss 

Du stehst morgens auf und freust dich auf deine Tasse Kaffee. Kochst das Wasser auf, holst vorsichtig deine French-Press aus dem Schrank, öffnest deine Kaffeedose und riechst den köstlichen Kaffeegeruch und schnupperst dran; zählst die Löffel ab, die in deiner Kaffeepresse landen. Hörst wie der Wasserkocher mit einem Klick das Wasser fertig gekocht hat. Gießt vorsichtig das heiße Wasser in den Kaffee ein und beobachtest, wie der Kaffee sich im Wasser verteilt. Du nimmst den Aufsatz der French-Press und drückst den ins Glas und spürst den Widerstand des gemahlenen Kaffees im Wasser. Den fertigen Kaffee gießt du in deine Tasse. Du genießt die Wärme deiner Tasse, während du erneut an ihm schnupperst. Geduldig voller Vorfreude wartest du, dass die Tasse abkühlt und kostest jeden Schluck aus.

Die Routine: Das Ergebnis

Du stehst morgens auf und brauchst Koffein. Automatisch gehst du zum Wasserkocher, zum Schrank, holst das Kaffee-Pulver raus. Die Handgriffe vollführst du geübt und unbewusst. In Gedanken bist du schon bei der Arbeit. Der Kaffee ist fertig. Du hast keine Zeit zu warten, dass er abkühlt und gießt wie jedesmal einen Schluck kaltes Wasser ein. Erneut bis du in Gedanken woanders. Der Kaffee ist leer. Du kannst dich nicht daran erinnern, wie du ihn getrunken hast, aber du hast deinen Koffein intus.

Frageliste zu deinen Gewohnheiten:

  1. Welche täglichen oder regelmäßigen Gewohnheiten hast du?
  2. Würdest du sie selber als gut oder schlecht bezeichnen?
  3. Gibt es Gewohnheiten, die andere als schlecht bezeichnen, die für dich nützlich sind und dir helfen?
  4. Würdest du deine Gewohnheiten als Routinen oder Rituale bezeichnen?
  5. Gibt es Rituale in deinem Leben, die zu viel Zeit kosten, die du gerne abschaffen oder automatisieren würdest?
  6. Gibt es Routinen in deinem Leben, die zu automatisiert sind, die du gerne bewusster wahrnehmen möchtest?

Achtsamkeit vs. Automatismus

Es wäre nun fatal zu sagen, dass eines der beiden Situationen besser ist als das andere. Ob du nun etwas automatisch oder bewusst regelmäßig tust, ist dir selber überlassen, aber jeder sollte doch für sich entschieden haben, dass er etwas routiniert-automatisch oder rituell-achtsam tut, wenn er denn etwas tut. Damit meine ich, dass wir uns bewusst sein sollten, wann wir etwas routiniert tun (und was wir dabei verpassen) und wann wir etwas rituell tun (und dabei zu viel Kraft verschwenden). Sind dir deine Gewohnheiten bewusst?

Mehr zum Thema:

Über unseren täglichen Habitus gibt es noch viel, viel mehr zu erfahren und zu erkennen. Was möchtest du noch über Gewohnheiten erfahren? Hat dir dieser Beitrag geholfen? Kennst du ähnliche Beispiele? 

Kommentare

Michael
# Michael 20.01.2017
Hey,

haha das mit dem Kaffee und dem Schluck Wasser könnte auch ich sein ;-)
Ja mittlerweise (mit der richtigen Technik) sind mir die meisten Gewohnheiten bewusst geworden.
Diese Gewohnheiten sind allerdings nicht starr und lassen sich ändern.
Ich finde mit Gewohnheiten kann man sich sehr gut verbessern und Neues in sein Leben integrieren.
Zum Beispiel habe ich es geschafft nur noch eiskalt zu duschen (hat viele Vorteile), oder morgens um 05:30 aufzustehen.
Alles eine Frage der Willenskraft (zumindest am Anfang). Mit der Zeit bilden sich die neuen Gewohnheiten und man macht die Dinge fast ganz automatisch.

[Link entfernt]

Schöne Grüße
Michael
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Yasemin
# Yasemin 20.01.2017
Hallo Michael,

Danke für deinen Kommentar. Ich glaube, man braucht nicht irgendeine Super-Technik, sondern muss sich Zeit nehmen einen kurzen Zeitraum achtsamer zu sein und was man da tagtäglich tut eigentlich bewusster wahrzunehmen. Nichts anderes als Selbsterkenntnis ;)

Ich bin ja gegen stupide Selbstoptimierung, der Optimierung willen und würde niemandem raten ohne zu wissen, warum er da nun unbedingt etwas Neues im Leben integrieren will, ob er das wirklich braucht, eher abraten.

Meine Taktik ist ein Life-Design zu kreieren, dass das, was man braucht es einfacher hat, ins eigene Leben zu finden. Ich würd beispielsweise niemals auf die Idee kommen kalt zu duschen, dass kann ich als eh Morgenmuffel meinen Mitmenschen nicht antun. Stattdessen trinke ich mindestens 5-Mal die Woche frischen Ingwertee, um mein Immunsystem zu stärken.

Ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, dass ich deinen Link entfernt habe. Ich mag grundsätzlich Fishing-For-BackKlicks Kommentare nicht besonders. Wenn es nur an mich ging, ist das unnötig, ich schaue sowieso bei jedem, der seine Website hinterlässt mal vorbei — aus Gewohnheit ;)

Nichtsdestotrotz danke ich dir für deinen weiterbringenden und austauschfördernen Beitrag,

Bis bald,
Yasemin.
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