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Differenzierte Betrachtung von Gewohnheiten Rituale und Routinen

Jeder Mensch hat Gewohnheiten und angeblich sollen wir min. 40% jeden Tages mit regelmäßigen Tätigkeiten verbringen. Dazu zählen sicherlich gute Angewohnheiten, wie das regelmäßige Zähneputzen oder auch schlechte Eigenarten wie das Rauchen. Doch was ist eigentlich dran an diesen Gewohnheiten? Sind sie gut oder schlecht? Und wieso unterscheide ich zwischen Ritualen und Routinen?

Was bedeutet „Gewohnheit”?

Zieht man den Duden zurate gibt er für „Gewohnheiten” folgende Bedeutungserklärung: „durch häufige und stete Wiederholung selbstverständlich gewordene Handlung, Haltung, Eigenheit; etwas oft nur noch mechanisch oder unbewusst Ausgeführtes”. Auch die Synonyme sind aufschlussreich. So finden wir einerseits Wörter wie Brauch, Sitte oder Tradition, aber auch Automatismus, Eigenheiten, Marotten und Ticks. Wir halten fest:

  1. Gewohnheiten zeichnen sich durch Regelmäßigkeit aus
  2. Gewohnheiten sind selbstverständlich und gehören zur Eigenheit der Person

Sind Gewohnheiten gut oder schlecht?

In der Bandbreite der Synonyme von Marotte bis Eigenheit wird klar, dass man implizit eine Wertung vornimmt, ob sie negativ oder positiv sind. Aber wer entscheidet, ob etwas gut oder schlecht ist? Es gibt Menschen, die haben die verschiedensten Ticks, die von außen betrachtet merkwürdig erscheinen, aber für die Person selber förderlich sind. Menschen, die laut alles vor sich hersagen müssen, was sie tun, damit sie geordnet bleiben. Von außen betrachtet extremst nervig — vorallem für die eigene Arbeit. Menschen, die eigentümlich sitzen, weil sie dabei besser denken können. Von außen betrachtet total skurril. Ich denke, dir fallen ähnliche Bespiele von Personen in deinem Umkreis oder von dir selber ein. Gewohnheiten von außen zu beurteilen ist immens schwer, da sie einerseits ja nicht die eigenen sind, und andererseits man nicht seinen Wertemaßstab über das Leben eines anderen stülpen kann.

Wie beurteilen wir Gewohnheiten?

Ich denke, wir sollten Gewohnheiten nicht danach beurteilen, ob etwas normal ist. Zeichnen sich nicht Gewohnheiten dadurch aus, dass sie zu einem speziellen Menschen gehören? Dann können doch auch die Gewohnheiten speziell sein. Um über etwas zu urteilen brauchen wir aber trotzdem einen Wertemaßstab. Wonach urteilen wir also? Nach welchen Kriterien? Im Hinblick auf das Ideal eines guten Lebens scheint doch ein gutes Kriterium zu sein, ob sie der Person förderlich sind. Kurz: Tut diese Gewohnheit der Person gut?

Rituale vs. Routinen

  • Rituale werden bewusst durchgeführt. Mit der Durchführung eines Rituals ist etwas bezweckt.
  • Routinen sind automatisch und unbewusst. Es zählt, dass sie durchgeführt werden.

Gewohnheiten Routinen Rituale

Das Ritual: Der Genuss 

Du stehst morgens auf und freust dich auf deine Tasse Kaffee. Kochst das Wasser auf, holst vorsichtig deine French-Press aus dem Schrank, öffnest deine Kaffeedose und riechst den köstlichen Kaffeegeruch und schnupperst dran; zählst die Löffel ab, die in deiner Kaffeepresse landen. Hörst wie der Wasserkocher mit einem Klick das Wasser fertig gekocht hat. Gießt vorsichtig das heiße Wasser in den Kaffee ein und beobachtest, wie der Kaffee sich im Wasser verteilt. Du nimmst den Aufsatz der French-Press und drückst den ins Glas und spürst den Widerstand des gemahlenen Kaffees im Wasser. Den fertigen Kaffee gießt du in deine Tasse. Du genießt die Wärme deiner Tasse, während du erneut an ihm schnupperst. Geduldig voller Vorfreude wartest du, dass die Tasse abkühlt und kostest jeden Schluck aus.

Die Routine: Das Ergebnis

Du stehst morgens auf und brauchst Koffein. Automatisch gehst du zum Wasserkocher, zum Schrank, holst das Kaffee-Pulver raus. Die Handgriffe vollführst du geübt und unbewusst. In Gedanken bist du schon bei der Arbeit. Der Kaffee ist fertig. Du hast keine Zeit zu warten, dass er abkühlt und gießt wie jedesmal einen Schluck kaltes Wasser ein. Erneut bis du in Gedanken woanders. Der Kaffee ist leer. Du kannst dich nicht daran erinnern, wie du ihn getrunken hast, aber du hast deinen Koffein intus.

Frageliste zu deinen Gewohnheiten:

  1. Welche täglichen oder regelmäßigen Gewohnheiten hast du?
  2. Würdest du sie selber als gut oder schlecht bezeichnen?
  3. Gibt es Gewohnheiten, die andere als schlecht bezeichnen, die für dich nützlich sind und dir helfen?
  4. Würdest du deine Gewohnheiten als Routinen oder Rituale bezeichnen?
  5. Gibt es Rituale in deinem Leben, die zu viel Zeit kosten, die du gerne abschaffen oder automatisieren würdest?
  6. Gibt es Routinen in deinem Leben, die zu automatisiert sind, die du gerne bewusster wahrnehmen möchtest?

Achtsamkeit vs. Automatismus

Es wäre nun fatal zu sagen, dass eines der beiden Situationen besser ist als das andere. Ob du nun etwas automatisch oder bewusst regelmäßig tust, ist dir selber überlassen, aber jeder sollte doch für sich entschieden haben, dass er etwas routiniert-automatisch oder rituell-achtsam tut, wenn er denn etwas tut. Damit meine ich, dass wir uns bewusst sein sollten, wann wir etwas routiniert tun (und was wir dabei verpassen) und wann wir etwas rituell tun (und dabei zu viel Kraft verschwenden). Sind dir deine Gewohnheiten bewusst?

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