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Zitat des Augenblicks

„Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.”
Marion Brando, US-amerik. Schauspieler (1924-2004)

ca. 3 min Lesezeit

Die Frage nach der Berufung ist irgendwie schwer, oder? Und irgendwie kommt sie einem wie eine Lebensaufgabe vor. Also nicht diese Lebensaufgabe auszufüllen ... Nein, sie überhaupt zu finden und zu erkennen scheint erst einmal ein unüberwindbares Unterfangen. Zumindest, wenn man zu denen gehört, die eben nicht eine Antwort auf die Frage parat haben: „Und? Was ist deine Berufung?”. Da stellt sich mir als Philosophin die Frage: Gibt es DIE Berufung irgendwo da draußen und soll man es wirklich wagen sie zu suchen?

Eine Berufung zu haben scheint super zu sein, zumindest wenn man die betrachtet, die Sinn und Erfüllung in ihrem Beruf sehen und zufrieden sind. Und das Konzept der Berufung hat ja auch was sympathisches: Es ist der Glaube drana, dass jeder im Leben seine Aufgabe hat, sein Warum, seine Bestimmung auf der Welt. Es bedeutet, dass man für die Welt — für andere — einen Beitrag zu leisten bestimmt ist. Es gibt der eigenen Existenz einen Sinn.

 

Diese Sichtweise ist allerdings sehr konsequentialistisch und ergebnisorientiert. Das würde bedeutetn, nur weil wir soziale Menschen sind, müssen wir uns einbringen. Ist das Berufung dann nicht nur ein Mittel? Zumindest scheint es irgendwie notwendig. Es gibt zu viele Menschen, die Tätigkeiten ausführen, die krank machen, die sie gar nicht mehr mögen und wo sie innerlich abgeschaltet haben. Nicht umsonst spielt also der Faktor Sinnstiftung für viele junge Menschen eine entscheidende Rolle bei der beruflichen Wahl. Denn das sind diejenigen, die oft bei ihren Eltern beobachtet haben, dass ausschließlich Lohn als Ausgleich zu einer Arbeit nicht mehr ausreichend ist und dass es irgendwas MEHR beinhalten muss. Und zwangweise taucht dann die essentielle Frage auf, was denn dieses „Mehr” sein könnte.

 

Aber warum verknüpfen wir Sinnstiftung und Erfüllung an DIE Berufung? Können wir nicht ohne die Berufung Sinn und Erfüllung in Arbeiten finden? Hindert nicht die verzweifelte Suche nach DER Berufung uns, in den Tätigkeiten, die man meanwhile tut Sinn und Erfüllung zu finden? Sind diese Zwischenstationen dann nur Inspirationen? Vor allem, wie erkennt man denn SEINE Berufung, wenn sie einem in Erscheinung tritt? Woran erkennst du deine Berufung? Wenn Berufung das ist, worin du dich ausleben könntest. Was ist das, was die auszeichnet? Auszeichnet im Sinne davon, dich dazu bestimmt etwas bestimmtes zu tun.

 

Und eher wir uns versehen, sind wir bei der Frage: Nature or Nurture gelandet? Prägt dich Genetik oder Sozialisation? Irgendwie wohl beides. Zumindest ist das der aktuelle Stand der Forschung. Zur Zusammensetzung ist wenig bekannt, aber woran erkennst du nun deine Berufung? An dem Gefühl, jeden Morgen aufzustehen und immerwährend zu wissen, warum du es tust? Dass du etwas bereicherndes tust? Diese Antwort findet man meistens zu der Vorstellung, was denn nun Berufung sei. Aber versteht jeder das unter Berufung?

 

Gehen wir davon aus, dass es Berufung gibt, dann muss davon ausgehen, dass man sie auch erkennen kann. Allerdings finde ich es nur gefährlich einer dauernden Suche hinterherzurennen, weil es doch auch seine kann, dass man — zumindest während der eigenen Lebensspanne — nie seine Berufung findet. Außerdem klingt Suche so, als ob die Berufung irgendwo da draußen wäre und man sie nur finden müsste. Aber Berufung heißt doch, dass man für etwas Be-Rufen ist. Quasi ein Ruf, der nach einem schreit. Bestimmt für etwas sein, heißt dass in dir ist, was dich einstimmt. Ist es nicht die innere Stimme, der man einfach nur besser zuhören muss?

 
Die Vorstellung, also Idee der Berufung bestimmt, wie man sie im Leben wahrnimmt. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass statt extrinsisch im Außen zu suchen, was zu einem passen könnte und nach Trial und Error-Prinzip manchmal erfolgreich, vielleicht auch weniger erfolgreich Berufe abzuklappern, die es gibt, man eher schauen sollte, wozu man fähig ist. Im Außen suchen bedeutet, man nimmt nur das wahr, was zur Auswahl steht und bereits existiert. Seine Berufung hingegen kann man auch kreiieren. Und das bedeutet dann eben auch, dass es nicht nur DIE Berufunf gibt, sondern eben mehrere Berufe, bzw. Berufungen für einen geben kann.  

 

Ich danke an dieser Stelle herzlich Vedran, mit dem ich ein tolles Gespräch über die Vorstellung von Berufung führen konnte und aus dem dieses Artikel inspiriert wurde. Was ist eigentlich deine Vorstellung von Berufung?  

Kommentare

Marina
# Marina 02.12.2015
Schönes Thema!

Ich frage mich, ob die Suche nach der Berufung und/oder die Ausführung einer Berufung davon ablenken, dass das Leben eigentlich sinnlos ist, d.h. dass sie reiner Zeitvertreib sind, der sich eben existentiell wichtig anfühlt ohne es wirklich zu sein.

Meine Frage jedoch: Hat "Berufung" notgedrungen etwas mit "Beruf" zu tun? Ich finde meine Berufung - obwohl ich nicht so pathetisch von "Berufung" sprechen mag - derzeit eher in meinem Hobby, weniger ausschließlich in meiner Arbeit, also was meine rein intrinsische Motivation anbelangt. Trotzdem sehe ich ein, dass ich einen Job haben muss, mit dem ich mir das Leben finanzieren kann und indem ich mich nicht "sinnlos" fühle, auch wenn er eben nicht meine Interessengebiete widerspiegelt... .
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