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Zitat des Augenblicks

„Ein Freund ist ein Geschenk, das du dir selbst gibst.”
Robert Louis Stevenson, Schott. Schriftsteller (1850-1895)

ca. 6 min Lesezeit

Nicht nur bei dem Erstellen der Liste für unsere Fähigkeiten und Talente kann man bereits nicht zielführend vorgehen, sondern auch bei der Fragestellung selber. Wir fragen uns: „Was ist meine Bestimmung im Leben?", und fokussieren uns so auf die Suche nach DER Bestimmung, die all unseren 4 Kriterien und Anspruchshaltungen entspricht, dass wir andere Optionen gar nicht in Erwägung ziehen. Und die Frage, die ich aufwerfen möchte: „Glaubst du wirklich, dass wenn du deine Bestimmung gefunden hast, du glücklicher wärst?". Heute geht's um Missinterpretation 2 bei der Anwedung der klassischen Methode seine Bestimmung zu finden.

 

 berufung b800

 

Versteh mich nicht falsch, ich finde es schon wichtig, dass wir nach dem Sinn unserer Existenz fragen und im Stande sind eine Antwort auf die Frage nach unser Ziel im Leben zu geben. Und sicherlich wären wir glücklicher, weil wir einen Schritt weiter wären, aber es bedeutet nicht, dass wir dann weniger Probleme hätten oder das Leben einfacher. In Teil I dieser Artikelserie habe ich die klassische Mustermethode der Bestimmung ausführlicher beschrieben. Hier die Kurzfassung: Unsere Bestimmung ist die Schnittmenge aus den Dingen, die Geld einbringen, Spaß machen, Mehrwert leisten und die wir gut können. Mein Kritikpunkt an dieser Stelle: Ich denke, dass wir nicht stupide diese Methode anwenden sollten, sondern kritisch hinterfragen, ob sie in der konkreten Form für einen überhaupt zielführend ist.

Die konkrete Missinterpretation, auf die ich in diesem Fall hinaus möchte, wäre, dass du dieses Muster, dieses Modell, oder sagen wir eher diese Methode 1:1 übernimmst ohne es in Frage zu stellen. Eine Methode kann irreführend sein, wenn sie zu einem nicht passt (Fail 1). Ein Modell ist eine vereinfachte Darstellung und ein Abbild der Realität, sie stellt nur einen Teil der Welt dar (Fail 2). Ein Muster ist nur eines von vielen Möglichkeiten (Fail 3).

 

Fail 1: Die Bestimmung deines Lebens zu finden ist dein Lebensziel

Aeh, nicht unbedingt. Sicherlich macht die Gewissheit etwas sinnfüllendes und erfüllendes im Leben zu tun, es einfacher sein Leben zu leben, aber es ist keine Notwendigkeit sein Leben bestmöglich zu leben. Ich könnte in einer Woche auch im Sterben liegen und meine Bestimmung nicht gefunden haben, dann spielt es keine Rolle, dass ich meine Lebensaufgabe nicht fand, sondern wie ich mein Leben bisher bestritten habe. Du brauchst nicht eine Bestimmung, um dein Leben selbstbestimmt erfüllend zu leben. Dieses Bild suggeriert jedoch, dass du deine Bestimmung finden musst, ergo dich daher auf die Suche begeben musst. Nein, das musst du nicht. Du kannst auch einfach bestmöglichst dein Leben gestalten und gemütlich warten bis dir deine Bestimmung zufällt. Oder eben nicht. Du hast die Wahl. Lass dir nicht einreden, dass du eine Bestimmung brauchst, wenn du eigentlich auch ohne glücklich bist oder zumindest versuchen zu sein kannst.

 

Fail 2: Erst wenn du deine Bestimmung kennst, wirst du glücklich sein

Aeh, nicht unbedingt. Diejenigen, die die Balance zwischen im-Hier-und-Jetzt leben und nach-dem-Morgen-Streben nicht hinbekommen, werden nie glücklich sein. Begründung: Weil sie im Morgen leben. Sie suchen ihr Glück im Erreichen eines Ziels. Wenn es aber erreicht ist, was dann? Dann kommt das Nächste, das Nächste, das Nächste ... . So wird das Glück, wenn man glaubt, es nur im Äußeren zu suchen, ein immerwährendes Hinterherrennen nach dem Glück, ohne je glücklich zu sein. Ich möchte damit nur verdeutlichen, dass das Finden DER Bestimmung nicht notwendigerweise dein Leben einfacher macht. Noch deutlicher: Nur weil du deine Bestimmung kennst, löst es nicht all deine Probleme heute. Aber irgendwie herrscht das Verständnis vor, dass es so wäre. Frei dem Motto: „Wüsste ich nur, wohin ich will, wäre alles besser/einfacher/super!". Diese Vorstellung gibt Motivation, um die Bestimmung zu suchen, aber wird zur Illusion, wenn sie zur Enttäuschung führt: Man kennt endlich seine Bestimmung, aber steht vor neuen, aber anderen Problemen. Dann heißt, dass man sich erneut mit Hindernissen und Herausforderungen der Umsetzung und Erfüllung der Bestimmung auseinandersetzen muss.

Das Leben ist schön! Von einfach war nie die Rede

Unbekannt

Das Leben ist eine immerwährende Prüfung. Wir werden immer mit Problemen konfrontiert werden, müssen uns immer mit Hindernissen auf unserem Weg beschäftigen, müssen uns immer weiter nach vorne bewegen. Ich bin der Überzeugung, dass man sich nur selber belügt, wenn man denkt es hört irgendwann auf. Sicherlich gibt es Phasen, in denen man es einfacher hat, aber wir wissen nicht mit Gewissheit wann diese sein werden. Wir wissen eben nicht, was uns die Zukunft bringt, aber mit Sicherheit gibt es manchmal Hoch-Phasen und manchmal Tief-Phasen. Wie das Wort „Phasen” andeutet, ist das Leben ein Prozess und es kann sein, dass die Vorstellung seine Bestimmung(en) zu erfüllen, wenn man es als Progress begreift, einfacher zu ertragen ist.

 

Seine Bestimmung zu erfüllen wäre dann eher ein zyklisches Modell: Zuerst erkennst du deine Bestimmung, dann führst du deine Bestimmung aus, zuletzt erfüllst du diese. Erneut erkennst du eine weitere Bestimmung, eneut führst du diese weitere Bestimmung aus, auch diese erfüllst du. Und wenn dir noch genug Lebenszeit und und Energie bleibt, dann auf in eine neue Runde! Und ja, ich gehe davon aus, dass Menschen auch mehrere Bestimmungen haben können, da wir in einer dynamischen Welt leben. Es kann mehrere Möglichkeiten geben, wie wir die Bestimmung erfüllen und eben auch mehrere Arten der Bestimmung, je nachdem wie eng oder weit wir unsere Aufgabe begreifen.

Fail 3: Diese 4 Kriterien führen dich zu deiner Bestimmung

Aeh, nicht unbedingt! Ich führte mal eine Diskussion über diese Grafik und sie gibt weit mehr Informationen als beim ersten Blick erkennbar. In der englischen Originalgrafik gab es keine Hervorhebungen durch die blauen Schraffierungen. Das ist eher mein Werk, weil mir diese 4 Flächen aufgefallen sind. Als ich darauf hinwies, bekam ich jedoch die Reaktion: „Diese sind nicht hervorgehoben, weil sie keine Zwischenschritte sind. Sie sind irrelevant. Wichtig ist der rote Stern (purpose)". Ironischerweise war der darauffolgende Kommentar einer weiteren Person: „Ich liebe dieses Bild. Leider suche ich noch immer nach meiner Bestimmung”.

 

 

Hinweise zur Grafik:

Im englischen Original heißt der Bereich der Berufung (rechts unten in rot) „vocation”. Ich habe mich entschlossen den roten Stern als Ziel „Bestimmung” zu nennen und als Abgrenzung zur „Berufung” zu nutzen. Mir ist bewusst, dass im allgeinen deutschen Sprachgebrauch der Begriff Berufung manchmal auch als Profession oder Bestimmung genutzt wird. In dem Falle ist aber Berufung etwas, was in irgendeinerweise Geld einbringt und einen gesellschaftlichen Mehwert erfüllt, ohne dass wir unbedingt gut darin sind.

 

Fazit:

  1. Deine Berufung zu finden muss nicht unbedingt einziger Sinn und Zweck deines Lebens sein. Lass die Suche nicht alleiniger Zweck deines jetzigen Lebens sein, und den Moment vergiften.
  2. Du solltest nicht von deiner imaginären Vorstellung der „Berufung" abhängig machen, ob du heute und jetzt so zufrieden wie möglich sein kannst.
  3. Deine Bestimmung bestimmst du! Muss deine Bestimmung wirklich dieses vier genannten Faktoren erfüllen, damit es dich erfüllt und glücklich macht? Wieviel Wert legst du auf diese Faktoren?

 

Ich habe dir mit diesem Artikel versucht nahe zu bringen, dass wir die gängigen und populären Definitionen von „Bestimmung" hinterfragen sollten. Passt denn das, was andere sagen, was Bestimmung sei, auf meine Vorstellung von Berufung? Oder läst du dir eine Vorstellung aufdrücken, die auf dich gar nicht passt?

 

Um zu einem erfüllten und erfolgreichen Leben zu kommen, brauchst du ein individuelles und zu dir passendes Life-Design. Dazu gehört eine Vorstellung von Berufung, Bestimmung, Leidenschaft und auch Mission, dass deinen Bedürfnissen und Werten angepasst ist. Lass dir keine fremden aufdrücken!

Kommentare

Jürgen Clausen
# Jürgen Clausen 22.01.2016
Um zu einem zufriedenen Leben zu kommen, muss man vor allem etwas machen. Alles Bewegen von Vorstellungen in der Seele (woanders fälschlicherweise auch "Kopf" genannt) führt nur zur weiteren Verwirrung. Was man ausprobiert hat, hat ein Gefühl erzeugt, und ein Gefühl ist das einzige, das verwertbare Vorstellungen erzeugt. Alle anderen Vorstellungen sind nicht verwertbar - oder sogar schädlich.
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