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Zitat des Augenblicks

„Wenn du dich glücklich fühlen willst, dann fühlst du dich auch glücklich. Es ist deine Entscheidung.”
Miranda Kerr, austral. Model (1983-)

ca. 6 min Lesezeit

Wenn wir uns Ziele vornehmen und planen passiert es oft, dass wir uns verschätzen? Aber woher kommt die Selbstüberschätzung? Jan Höpker schreibt in diesem Gastartikel über das Phänomen der verzerrten Wahnehmung. Er erläutert, warum Selbstkenntnis der allererste Schritt zur einer realistischen Einschätzung und Planen der Zukunft ist. Selbstmanagement benötigt Selbstkenntnis. Sei wissensdurstig deiner eigenen Person gegenüber!

Es folgt ein Beitrag von Jan Höpker von habitgym.de:

In einigen der Unternehmer-Podcasts, die ich hin und wieder höre, wird den Interviewgästen  regelmäßig die folgende Frage gestellt: „Du wachst morgen in einer Parallelwelt auf, in der du niemanden kennst. Du hast nur wenig Geld. Was tust du?“

Die Antworten sind ganz unterschiedlich, aber in den allermeisten Fällen gehen sie in die gleiche Richtung: Die Interviewgäste würden ihren Verstand einsetzen, um schnell eine Möglichkeit zu finden, ihre Wissen und ihrer Erfahrung zu Geld zu machen. Konkret würden sie die Bewohner der neuen Welt befragen, beobachten und ihnen kostenlose Unterstützung anbieten. Das alles mit dem Ziel, ungelöste Probleme zu finden, um diese bald systematisch gegen Geld zu lösen.

Gedankenspiele, bei denen es darum geht, was wir in bestimmten hypothetischen Situationen tun würden, sind weit verbreitet. Eine Frage, die ich persönlich äußerst interessant finde, lautet: „Würdest du noch arbeiten, wenn du ein bedingungsloses Grundeinkommen hättest? – jeden Monat genug Geld auf dem Konto, um damit über die Runden zu kommen“. Die meisten Menschen sind sich sicher: Klar würden sie noch arbeiten.

Vielen ihrer Mitmenschen trauen sie das aber nicht zu: Diese würden wohl eher 24/7 Fast Food essend vor dem Fernseher oder Computer gammeln, bis sie komplett verblödet und so dick sind, dass sie nicht mehr durch die Tür passen.

Wir messen mit zweierlei Maß

Die Sache mit dem bedingungslosen Grundeinkommen ist ein schönes Beispiel dafür, dass wir uns selbst anders bewerten, als wir unsere Mitmenschen bewerten. Wir haben es hier mit einer kognitiven Verzerrung zu tun, einem systematischen Denkfehler, dem alle Menschen unterliegen.

Tendenziell überschätzen wir unsere Kompetenzen und Fähigkeiten in einer bestimmten Sache umso mehr, je weniger wir über diese Sache wissen. Unwissenheit begünstigt Selbstvertrauen stärker, als Wissen.

Aus dieser allzu menschlichen Eigenschaft wird häufig der falsche Schluss gezogen. Verzerrungen schreien ja förmlich danach, entzerrt zu werden. Wäre es nicht besser, wenn wir uns nicht verzerrt, sondern objektiv sehen würden? Nein!

Selbstüberschätzung ist gut

Viele Dinge ergeben erst dann einen Sinn, wenn wir sie in einem größeren Zusammenhang sehen. Selbstüberschätzung ist kein Fehler. Natürlich führt Selbstüberschätzung in einigen Fällen zu Problemen, die ohne Selbstüberschätzung nicht aufgetreten wären. Die Welt ist aber nicht schwarz-weiß.

Selbstüberschätzung ist gut, weil sie uns dazu befähigt, überhaupt erst aktiv werden zu können. Das Problem ist: Menschen werten Verluste stärker negativ, als sie Gewinne positiv werten. Für Menschen wiegt der Verlust von 100 € etwa doppelt so schwer, wie der Gewinn von 100 €. Auch das ist eine kognitive Verzerrung. Experten sprechen von der Verlustaversion. Würden wir unsere Erfolgsaussichten immer realistisch einschätzen, dann würden wir sehr viele Projekte niemals angehen, wenn wir hätten scheinbar zu viel zu verlieren und zu wenig zu gewinnen. Um aktiv werden zu können, müssen wir uns einigermaßen sicher sein, dass unser Vorhaben ein Erfolg wird. Dafür brauchen wir die Selbstüberschätzung. Wir brauchen Selbstüberschätzung, um die Verlustaversion auszugleichen.

Wir sollten unsere kognitiven Verzerrungen nicht „heilen“. Sie einfach nur zu kennen, scheint sinnvoller zu sein.

Selbstmanagement: Die Verwaltung der eigenen Person

Als Yasemin mich fragte, ob ich Lust habe, einen Gastartikel für ihren Blog zu schreiben, sagte ich ihr zu und entschied mich für die Kategorie „Management“.

Management ist ein wichtiges Thema. Wichtiger, als andere Menschen und materielle Ressourcen zu managen, ist das Selbstmanagement. Laut Wikipedia ist Selbstmanagement die Kompetenz, die eigene persönliche und berufliche Entwicklung weitgehend unabhängig von äußeren Einflüssen zu gestalten. Beim Selbstmanagement, so heißt es, kommt es insbesondere auf den Einsatz des Willens (Volition) an.

Dass es beim Selbstmanagement auf den Einsatz des Willens ankommt ist schon richtig. Worauf sollte es sonst ankommen? Abgesehen von unserem Willen haben wir ja gar keine Möglichkeit, um Einfluss zu nehmen. Trotzdem gibt es eine Sache, die noch wichtiger ist.

Im Kern geht es beim Management um die Verwaltung von Ressourcen. Beim Selbstmanagement geht es also darum, die persönlichen Ressourcen zu verwalten. Das Problem ist: Sehr viele Menschen, die versuchen, sich selbst und ihre persönlichen Ressourcen zu managen, kennen sich und ihre Ressourcen überhaupt nicht. Ich selbst schließe mich da nicht aus. Dass wir uns selbst nicht gut kennen, erkennt man gut an den Antworten auf die oben gestellten Fragen:

  • Was würdest du tun, wenn du morgen in einer Welt aufwachst, in der du niemanden kennst?
  • Würdest du arbeiten wenn du ein bedingungsloses Grundeinkommen hättest?

Antworten auf Fragen wie diese fallen uns leicht. Sie kommen uns spontan ins Bewusstsein und dann sprechen wir sie aus.

Wie gut sind die Vorhersagen unseres eigenen Verhaltens?

Als Kind habe ich mir manchmal die Frage gestellt, was ich tun würde, wenn außer mir plötzlich alle Menschen von der Erde verschwunden wären. Ich als einziger Überlebender einer globalen Katastrophe. Ich kam zu dem Schluss, dass das ein riesiger Spaß wäre. Ich könnte endlich tun und lassen, was ich will: Mit Autos durch die Gegend fahren, mir Dinge aus Kaufhäusern holen, ohne sie bezahlen zu müssen, und so weiter. Eine tolle Vorstellung.

Mitnichten! Tatsächlich würde sich mein 10-jähriges Ich panisch und verheult auf dem Boden wälzen und nach seiner Familie schreien.

Die Interviewgäste in den Podcasts würden vielleicht nicht ganz so heftig reagieren, wie ein 10-jähriger Junge, aber niemand, der plötzlich in einer Welt aufwacht, in der er niemanden kennt, wird sich völlig rational verhalten (können).

Mir ist bewusst, dass die Interviewfrage nicht wörtlich gemeint ist. Sie einmal wörtlich zu nehmen, eignet sich jedoch gut dazu, meine Kernaussage zu verdeutlich. Der Punkt ist: Wie sehr wir unseren Willen auch anstrengen: Nichts und niemand ist unabhängig von äußeren und unbewussten inneren Einflüssen. Die meiste Zeit haben wir die Einflüsse nur nicht auf dem Schirm, weil wir sie nicht sehen und sie in den meisten Fällen auch nicht spüren. Unsere spontanen Vermutungen darüber, wie wir uns in hypothetischen Situationen, in denen wir noch nie waren, verhalten würden, sind in den meisten Fällen nichts als schöne Geschichten.

Selbstmanagement braucht Wissen

Ich bin der Meinung, dass kluges Selbstmanagement Hand in Hand mit einem tiefen Verständnis der Natur des Menschen im Allgemeinen gehen muss. Wie sollten unsere Denkfehler und unbewussten Verhaltensweisen nicht korrigieren, aber wir sollten sie kennen.

Wir brauchen Antworten auf wichtige Fragen: Was sind Gefühle und Emotionen? Wie funktionieren sie? Wann treten sie auf? Was wollen sie? Wie funktioniert lernen? Wie funktionieren Gewohnheiten? Wie funktioniert der Wille? Warum gehen Menschen Bindungen mit anderen Menschen ein? Was wollen Menschen von anderen Menschen? Was ist Motivation und was motiviert uns wirklich?

Es geht nicht so sehr darum, von Anfang an perfekte Antworten auf diese Lebensragen zu haben. Wichtiger ist, dass man sich überhaupt mit diesen Fragen beschäftigt und für sich selber eine grobe orientierung, Einordnung findet. Es geht darum, den Anfang zu machen.

Vielen jungen Menschen scheint es heutzutage darum zu gehen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln. Sie verschlingen Ratgeberbücher wie „Denke nach und werde reich“, „Wie man Freunde gewinnt“ und „Rich Dad, Poor Dad“. Wissen zählt in diesen Kreisen nur dann etwas, wenn man das Wissen auch praktisch umsetzt.

Ich bin nicht der Meinung, dass direktes „Umsetzen“ der einzige Sinn und Zweck von Wissen ist. Wissen ist Futter für das Denken. Denken ist wichtig und zwar unabhängig davon, ob man die Gedanken direkt umsetzt, oder nicht.

Über den Gast-Autor
Autor: Dr. Jan Höpker Website: https://www.habitgym.de
Kurzprofil
Jan ist Blogger und Autor. Auf habitgym.de schreibt er über Gewohnheiten, Motivation und Erfolg. Sein aktuelles Buch „Erfolg durch Fokus & Konzentration" kannst du bei Amazon bestellen.

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