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Zitat des Augenblicks

„Wenn du dich glücklich fühlen willst, dann fühlst du dich auch glücklich. Es ist deine Entscheidung.”
Miranda Kerr, austral. Model (1983-)

ca. 8 min Lesezeit

Ganz frisch auf Carlas Blog www.mach-ich-morgen.com ist mein Gastartikel zum Thema Prokrastination mit dem Schwerpunkt der selbstbewussten Prokrastinierer erschienen. Und auch wenn ich der Meinung bin, dass man sich als professioneller Aufschieber kein schlechtes Gewissen machen sollte, weil es ausschließlich hinderlich denn sinnvoll ist, denke ich schon, dass man gewissenhafter im Umgang mit seinen Aufschiebegründen pflegen sollte. Manche sind nämlich einfach blödsinnig und die gilt es, zu erkennen.

 

Manche Blogger würden an dieser Stelle das fesche „Bullshit” nutzen, aber das Deutsche „blödsinnig“ trifft es besser, weil es einerseits blöde Ausreden sind — es gibt sicherlich intelligentere — und andererseits machen sie keinen Sinn: Es sind Schein-Ausreden. Beim Debattieren gibt es eine ziemlich effektive rhetorische Technik: Das Strohmann-Argument. Es ist eher der Aufbau eines Trugschlusses. Statt auf die Argumente des Gegners einzugehen, baut man einen fiktiven, nicht anwesenden Gegner auf. Man missinterpretiert und lenkt vom wesentlichen ab. Manche Prokrastinations-Ausreden sind Strohmänner.

 

Strohmänner sind deshalb gefährlich,
weil sie falsche Gründe nennen, Dinge aufzuschieben
und dadurch einen hindern,
sich den wirklichen, realen Gründen zu widmen.

 

Nummer 1: „Ich muss zuerst x machen.”

 

Diese Ausrede ist eigentlich eine Form des vorgeschobenen Perfektionismus und Ordnungszwangs. Leider ist es unabdingbar, dass man etwas aufschiebt, weil man zuvor etwas anderes tun muss oder eher glaubt, tun zu müssen. Der Gedanke, dass etwas in einer bestimmten Reihenfolge getan wird, blockiert, dass man überhaupt anfängt. Und du bist in dieser Denkfalle gefangen, wenn dir immerzu neue Dinge einfallen, die du wirklich nicht weiter aufschieben kannst und anders als das, was du tun solltest und auch mal wolltest – by the way – wirklich, aber wirklich nicht weiter warten kann. Als ob!

 

TIPP 1:
Ist es wichtig, aber nicht dringend, was sich vordrängelt… Skip es! Das ist 'ne Eintagsfliege, die du wegscheuchen kannst! Die kommt morgen eh wieder.

TIPP 2:

Manchmal allerdings sind es Dinge, die sowohl dringend als auch wirklich wichtig sind, die man zeitnah erledigen muss und sich vordrängeln. Die Frage ist dann: Ist es existentiell wichtig für mein Überleben? Ist die Antwort „Nein!", schieb es guten Gewissens auf. Ist die Antwort „Ja”, ist die hilfreiche Frage, ob du wirklich vorher einen Großeinkauf in mehreren Stunden machen musst, weil dein Kühlschrank leer ist oder ob du Zeit sparst, indem du den Lieferservice bestellst. Kurz: Mach es kurz!

TIPP 3:
Wie soll das Ergebnis aussehen und was bringst du mit? Für Dinge, die du wirklich vorher machen müsstest, weil es die Chronologie bedingt, hilft dir folgendes Gleichnis: Wenn du ein Zimmer streichen müsstest, fängst du bei der großen Fläche an oder beim Feinschliff, also Fenster und Türrahmen? Was ist besser?
Die Antwort: Ein Besser kannst du nur dann festmachen, wenn du Vergleichskriterien vorher festgelegt hast. Im Beispiel des Wandstreichens gilt folgendes: Ecken und Kanten streichen ist Detailarbeit und braucht Muße und Konzentration. Beides am Anfang der Tätigkeit in Massen vorhanden. Über die Großflächen kann man dann in einem Ruck durchgehen, wenn der Rahmen fest ist. Und wenn man dann feststellt, dass man in Ecken und Kanten noch einmal drüber muss, sieht man das auch besser, wenn die Farbe dort trocken ist. Perfekt! Manko: Es kostet viel Energie und Fortschritte sind langsam bis gar nicht zu erkennen, das demotiviert. Im schlimmsten Fall bist du noch nicht mal mit der Hälfte der Kanten durch und hast keinen Bock mehr.
Oder aber du fängst direkt mit der Hauptfläche an. Bist nach kurzer Zeit erstaunt, wie weit du gekommen bist und bist voller Elan weiterzumachen. Meist braucht es viel Kraft, um den großen Teil anzugehen, aber der Fortschritt ist nach kurzer Zeit erkennbar. Bei den Ecken und Kanten kannst du auch schludern, wenn du keine Lust mehr hast. Wer achtet schon auf Ecken? Oder du besserst die Ecken ein andermal aus. Detailarbeit ist möglich ohne viel Dreck zu machen und alles durcheinander zu bringen. Aber versuch mal die Hauptdecke ohne Abdeckfolie und mit Möbeln im Raum zu streichen.

 

Manchmal überschattet der Zwang, Dinge chronologisch anzugehen, Dinge einfach hinter sich zu bringen und sie loszulassen.

 

Nummer 2: „Ich brauche aber noch Informationen, bevor ich anfangen kann.”

 

Seien wir ehrlich … Wenn man mit dieser Ausrede erst einmal anfängt zu recherchieren, wird es kein Ende nehmen. Vielleicht, aber nur vielleicht wirst du bei relevanten Begriffen anfangen, aber im schlimmsten Fall bei Katzenfotos landen. Oder du musst unbedingt über Prokrastination recherchieren, bevor du ein Projekt angehst. Dann bist du auf diesem Blogartikel gestoßen, hast es gewagt auf den Wikipedia-Link des Strohmann-Arguments zu klicken und bist beim Marxismus gelandet! Es braucht hierzu nur drei Klicks, um sich in den Weiten des Internets zu verirren. Ich hab es überprüft!

 

TIPP 1:
In der Mathematik, als auch Logik unterscheidet man zwischen notwendiger und hinreichender Bedingung. Notwendig ist etwas, wenn es der einzige Weg ist, der zum Resultat führt. Hinreichend ist eine Bedingung, wenn sie zwar zu einem Resultat hinführt, aber man auch anders hinkäme. Frage ist also: Ist die Information notwendig oder hinreichend? Wenn sie notwendig ist, hol dir die relevanten Informationen ein, wenn sie nur hinreichend ist, such einen zeitsparenderen Weg.
TIPP 2:
Dieses Pseudo-Argument kommt immer dann auf, wenn wir uns unsicher fühlen und nicht gut vorbereitet sind. Tief im Inneren wissen wir aber, gut vorbereitet sind wir erst danach. Es probiert zu haben, ist immerhin einen Schritt weiter gekommen zu sein, als es gar nicht zu versuchen.

 

Nummer 3: „Ich habe gerade keine Lust.”

 

Dieses Pseudo-Argument wird überstrapaziert. Zuallererst: Du brauchst nicht unbedingt Lust, um Dinge zu erledigen. Du tust sie einfach, weil du bestimmte Dinge erreichen willst. Du brauchst nicht Lust, sondern ein „Warum!". Und im besten Fall hast du Lust, wenn du endlich mal deinen Hintern hochbekommst, weil es dir Spaß macht, wenn du endlich Erfolge feierst.

 

TIPP:
Bastle dir ein Motivations-Notfall-Kit mit Motivationsübungen, die nachweislich bei dir wirken.

 

Nummer 4: „Ich habe gerade keine Zeit.”

 

86.400! So viel hast du, so viel hab ich, und so viel hat jeder andere Mensch auf der Welt an Sekunden pro Tag zur Verfügung. Aber wieso hast du gerade keine Zeit? Du hast dich entschlossen, deine Zeit anders zu investieren als in Dinge, die du machen sollst und willst. Fehlinvestition?

 

TIPP:
Vergegenwärtige dir den richtigen Grund: Du hast Zeit, du willst sie dir nur nicht nehmen. Also gehe zurück zu Nummer 3, ziehe keine 4000 Mark… Nein, im ernst: Dieser Prokrastinationsfalle kannst du nur entgehen, indem du sie umgehst.

 

Nummer 5: „Es ist (gerade) egal.”

 

Ist es das? Wenn du die Konsequenzen deines Nicht-Handelns zu tragen hast, wirst du dich darüber ärgern, dass es dir egal schien. Und irgendwann mal, als du zugesagt hast etwas zu erledigen oder dir vorgenommen hast, etwas zu tun, war es dir auch nicht egal.

 

TIPP:
Also statt dir fälschlicherweise vorzuhalten, es sei dir egal, vergegenwärtige dir die Gründe, warum es nicht egal sein sollte und warum es dir einst wichtig war.

 

Nummer 6: „Ich habe es vergessen.”

 

Seriously? Gehe zurück zu Nummer 5 und tu lieber so, als sei es dir egal. Immerhin vergessen wir nur Dinge, die uns nicht wichtig zu sein scheinen.

 

TIPP:
Schließ etwas ab, indem du es einfach machst oder beschließt nicht mehr zu machen. Vergessen führt nur zu einer Dauerschleife der Untätigkeit, die zwischen „Ach ja, ich wollte doch ...!” und „Da war doch was!” hin-und-herpendelt.

 

Wenn-Dann-schwarze Löcher:

Wenn ich in der Denkfalle der Wenn-Dann-Schleifen lande, dann deswegen, weil ich mir entweder zu hohe Ziele setze (Perfektionismus lässt grüßen) oder aus dem Blick verliere, dass ein Projekt auch zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig sein muss. „Ich muss erst …”-Sätze breiten sich dann aus wie Pocken, wenn es keine Deadline gibt, die auch den Druck ausübt, sich endlich dem Wesentlichen zu widmen. Weil dann heißt es nämlich in Panik „Ich muss endlich…”. Vom Soziologen C. Northcote Parkinson ist der Satz „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ bekannt. Dieser Satz wird meist als Parkinsonsches Gesetz bezeichnet. Weniger bekannt ist das zweite Parkinsonsche Gesetz:

 

Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen des Einkommens. Gesetz der Verschwendung

 

Ersetzen wir das Wort Einkommen durch Energie, Zeit oder Willenskraft wird schnell klar, dass wir eine Ressource nicht unendlich ausschöpfen (können, aber nicht) müssen, sondern um zu sparen oder Puffer aufzubauen uns selber ein Limit, eine Begrenzung, setzen sollten. Die Alternative ist, unreflektiert mit Ausgaben umzugehen und wenn sich unser Besitz an Energie, Zeit, Motivation, aber auch Geld dem Ende neigt, vor verschlossenen Türen zu stehen. Just dann, wenn wir es am dringendsten brauchen. Die Lösung: Ressourcen-Management und dies bedeutet nicht nur im Moment zu leben, sondern auch mittelfristig zu planen:

 

  • Projekte zeitsparend effektiv angehen, weil man seine restliche Zeit mit der Familie oder dem Partner verbringen will.
  • Dinge energiesparend effizient angehen, weil man abends noch gerne Kraftreserven für die Jogging-Runde um den See hätte.
  • Zähe Verpflichtungen einfach abzuhaken und abzuschließen, damit sie nicht noch den letzten Nerv und das Fünkchen Motivation kosten, was man abends zum gemütlich Buch lesen braucht.

 

Unpassender-Moment-Ausreden:

Ist dir in den oben genannten Sätzen das Wort „gerade” aufgefallen? Meistens bedeutet es: „Ich fühle mich jetzt nicht danach.“ Wir beziehen uns auf einen Gemütszustand, ein Gefühl oder ein Empfinden. Was wir unterschätzen, ist, dass wir es willentlich beeinflussen und somit ändern können. Erkenne dein typisches Handlungsmuster und durchbrich es. Statt elanlos im Motivationsloch zu sitzen, begib dich mit motivierenden Dingen ab. Wenn du dich nicht gut fühlst, triff einen guten Freund oder eine gute Freundin. Wenn du zweifelst, halte dir deine vergangenen Erfolge vor Augen. Aktion-Reaktion. Mit den Hindernissen, die dir im Weg stehen, wirst du kaum umgehen können, wenn du dir Scheingründe vormachst. Also tappe nicht in diese Denkfallen, die dir jetzt vielleicht gut tun, aber die du morgen bereust. Diese Denkfallen bringen gar nichts.

 

Wenn du schon Gründe vorlegst, um Dinge aufzuschieben, dann bitte wenigstens vernünftige! Denn diese lassen sich einfacher umgehen oder entsprechend bewältigen und für nachvollziehbare Probleme finden sich auch immer irgendwie vernünftige Problemlösungen.

Kommentare

David Goebel
# David Goebel 21.05.2015
Hallo, die 6 Denkfallen kenne ich alle sehr gut und sie tauchten früher oft aus. Aber was steckt dahinter? Meiner Meinung nach ist es innere Zerissenheit. Der eine Anteil in uns möchte dies und ein anderer Anteil möchte was anderes. Für mich gehen alle Denkfallen also auf Inkohärenz im Denken zurück.
Immer dann, wenn mein Warum RIESENGROß war, fiel es mir leicht sofort loszulegen. Wer hat den schon eine Kirmes- oder Wellness-Tag aufgeschoben :-)

Früher habe ich mit inneren Team-Konferenzen gearbeitet, heute geht das alles eleganter.

Viele Grüße,
David
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Yasemin Akdemir
# Yasemin Akdemir 22.05.2015
Hallo David,

Danke für deinen Kommentar. Ich stimme dir zu: meistens fehlt einfach nur das WARUM oder es scheint weit weit weit weit weg zu sein. Aber in vielen Dingen versuche ich es derzeit Prozesshaft zu sehen: Warum merken wir aber nicht, dass uns das WARUM fehlt?

Und ich kam zum Schluss, dass wir oft auf Gründe stößen, die nur Scheingründe sind. Und wenn man verblendet ist, dann merkt man auch nicht, dass man ein WARUM braucht, um weiterzukommen

Wie hast du mit deinen innen Team-Konferenzen gearbeitet? Magst du das kurz beschreiben?

Gruß, Yasemin.
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David Goebel
# David Goebel 26.05.2015
Aber gerne Yasemin,

für eine innere Team-Konferenz ziehe ich mich zurück. Und dann eröffne ich als Gesprächsleiter die Runde, wie ein normaler Moderator in einem echten Gespräch. Aber für mich wirkt es am Besten, wenn ich ein Word-Dokument aufmache und dort alles reichschreibe. Das kann dann so aussehen:

Moderator: So, heute geht es um das Thema "Erstellen der neuen Website". Wir haben uns das vor 2 Wochen vorgenommen und bislang ist da nichts passiert. Wer möchte als Erstes was sagen?

Stimme: Das bringt uns doch nicht weiter?

Moderator: Hallo, wer bist Du? Wie sollen wir Dich ansprechen?

Stimme: Ich bin der Energieverwalter. Und viele dieser Schnellschüsse haben uns in der Vergangenheit einiges an Energie gekostet. Deswegen ermahne ich zur Vorsicht.

Moderator: Danke Energieverwalter für Deine Wortmeldung. Was müsste sichergestellt sein, damit Du mir der Lösung zufrieden bist.

***** So entwickelt sich ein Team-Meeting auf dem Blatt und die einzelnen Persönlichkeitsanteile handeln zusammen eine für alle passende Lösung aus. Dabei unterstützt der Moderator wohlwollend und fördernd.

Durch dieses Vorgehen habe ich schon so einige saboutierende Team-Blockaden finden und lösen können.

Liebe Grüße, David
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Yasemin
# Yasemin 26.05.2015
Haha. Ich musste bei der Vorstellung schmunzeln. Ich find das unglaublich kreativ. Ich teste das mal demnächst und versuche meine Saboteure mal zu entdecken. Aus dieser Perspektive sieht man das dann auch nciht als Kampf gegen destruktive falsche Angewohnheiten, sondern hat Verständnis für sein Verhalten. Finde ich sehr gut!

Danke für die Beschreibung, David!
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Marie
# Marie 21.05.2015
Liebe Yasemin,

genau mit diesen Aufschiebegründen werde ich beim Thema kreatives Schaffen auf immer wieder konfrontiert. Die scheinen wirklich weit verbreitet zu sein. ;-)
Bei kreativen Aufschieben habe ich bislang noch wenige gute Gründe kennengelernt. Zwei könnte ich mir jedoch vorstellen.
1) Man benötig Fokus für ein bestimmtes Projekt und stellt deswegen etwas anderes (vorerst) zurück.
2) Man stellt fest, dass einem die Sache nicht wirklich wichtig ist. ;-)

Liebe Grüße,
Marie
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Yasemin Akdemir
# Yasemin Akdemir 22.05.2015
Hallo Marie,

ja, du hast Recht. Aber bei Punkt 1 wär doch ein problemlösungsorientierte Entscheidung, dass man eher dafür sorgt, dass man Fokus hat, damit das vom Tisch is. Ich meine, das hat dann wiederum mit dem Scheigrund Nummer 1 zu tun, dass man sich blockiert und nicht das Hindernis aus der Welt schafft, damit man weiter kommt.

Bei Punkt 2 muss ich schmunzeln, weil ich da etwas zwiegespalten bin. Irgendwann dachten wir doch bei einer Zusage oder einem Vorhaben, dass etwas wichtig ist. Vllt vergessen wir perspektivisch, dass sich aber auch diese Wichtigkeit ändern kann, wenn wir oder die Situatiion sich ändert. Ich denke, dass wir uns viel Entspannung gewähren würden, wenn wir auch hier uns die Freiheit gewähren unsere Meinung zu ändern und diese beim Fällen eine ENtscheidung der Zusage oder eines Vorhabens zukünftig in Betracht ziehen. :D

Gruß, Yasemin :)
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