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Zitat des Augenblicks

„Wie mutig man ist, weiß man immer erst nachher.”
Ludwig Marcuse, dt. Philosoph (1894-1971)

ca. 9 min Lesezeit

Heute lade ich dich ein, an einer Party in deinem Kopf teilzunehmen und deinen Tagträumen für ihre tollen Hinweise zu deinen Begabungen zudanken. Dieser Artikel hätte allerdings auch „ich habe keine Ahnung, was ich will", ”Ich will soviel, ich weiß nicht, wo ich anfangen soll”, oder als Formulierung drei im Angebot „Ist das, was ich will, wirklich das, was ich sicher will oder nur das, was ich denke zu wollen?” heißen können ...

 

Und hierbei macht sich schon die Krux bemerkbar: Zu Anfang unserer Erkenntnisreise wissen wir als Vielbegabte, Multipassionate, Scanner (oder setze das Wort ein, wie du dich gerne selber bezeichnest ;) ) nicht, wo zu beginnen und wie das Wirrwarr unseres Potentials zu entrümpeln und aufzuräumen ist. Und genau hier dürfen wir nicht dem Nutzengedanken erliegen: Unsere Begabungen, Talente, Fähigkeiten sind keine Objekt, sie sind höchst emotionale Subjekte. Sie sind ein Teil von uns und wir sprechen nicht umsonst von „inneren Stimmen”. Wenn du deine Begabungen entdecken willst, musst du diesen inneren Stimmen zuhören und Gehör verschaffen. Aber wer sind deine inneren Stimmen?

 

Ich sage: Statt deine Begabungen erkennen zu wollen, lerne deine Begabungen kennen! Hä? Wo issen jetzt der Unterschied? Damit meine ich, versuch deine Begabungen zu verstehen. Frag dich, wie ihr Charakter ist, welche Macken sie haben, wie du sie glücklich machen kannst. Und damit meine ich: Visualisier dir deine Begabungen als Personen mit Gefühlen, Geschichte und Charakter-Eigenschaften. Dann wirst du schnell erkennen, wann wer womit zu befriedigen ist und wer mit wem zusammenarbeiten kann und wo definitiv nicht!

 

Die Visualisierungs-Übung: Tausend Leben.

Das ist einer meiner Lieblingsübungen und darin stellt man sich vor, man hätte unendlich viele Leben zu leben und könnte alles — wirklich alles — in jedem Leben nacheinander nachgehen und wäre darin erfolgreich. Auf wie viele Leben kommst du? Was für ein Leben würdest du leben? Welche Prioritäten setzen? Welchen Themen widmen? Welchen Beruf ergreifen? Tausend Leben. Komm, mach tausendundeins draus!

 

Ich muss an dieser Stelle erwähnen, ich halte nicht viel von Traumdeutung, aber ich bin der festen Überzeugung, dass es keine Zufälle gibt und hinter jedem einzelnen notierten Leben von dir mindestens ein wichtige Stimme ihre Nachricht hinterlassen hat. Und wenn man nun diese Liste der etwas-eingegrenzten-Anzahl-an-Leben hat, beginnt die eigentliche Arbeit:

 

  • Welche Muster erkennst du in den Lebensvorstellungen?
  • Worin definiert sich der Erfolg in jedem Leben?
  • Welchen gemeinsamen Tätigkeiten gehst du in den Leben nach?
  • Was sind die Rahmenbedingungen in dem Leben?

 

Ich find die Übung super, weil man immer wiederkehrendes vor das Auge gedrückt bekommt. Offensichtliches, was man vorher wie ein Wald vor lauter Bäumen nicht erkannte. Sie ist aber auch deswegen genial, weil man seine eigenen Träume von denen anderer Unterscheiden lernt. Du erinnerst dich zu Anfang des Artikels an die Frage: Ist das, was ich will, wirklich das, was ich will oder nur das, was ich denke zu wollen? Man kann jedes einzelne Leben durchgehen und sich fragen, ob es erfüllend und einen glücklich machen würde. Durch diese Frage lernst du, Herzensziele von fremden Zielen zu differenzieren. Die aussortieren Ziele sind nicht ganz nutzlos. Sie offenbaren uns unsere Glaubenssätze und Werte, die mit der Erwartungshaltung der anderen abhängen. Es sind äußere Stimmen, aber nicht die aus deinem Inneren.

Aber zurück zu deinen Herzenszielen und diese Übung kann eventuell emotional-schmerzvoll sein. Gehe jedes einzelne Leben durch und stell dir vor, es wäre das einzige, was du Leben dürftest. Was würde dir fehlen? Worauf müsstest du verzichten, damit du das leben erfolgreich lebst? Welche Stimme macht sich Hilfeschreiend bei der Vorstellung bemerkbar nur dieses Leben leben zu dürfen und auf das eine bestimmte verzichten zu müssen? Notier es dir!

 

Tagträume aka Fluchtfantasien

Selbes Schema macht sich bei Tagträumen bemerkbar, in denen du der Realität flüchtest. Du hast nur dieses Leben und Fluchtfantasien geben Hinweise darauf, was dir jetzt fehlt und welche innere Stimme oder Begabung nicht befriedigt wird.

Ich gebe dir ein Beispiel aus meinem Leben und das ist etwas peinlich. Allerdings ist das eine immer wiederkehrende Vorstellung von mir und daher wichtig für mich. Wir kennen alle diese Casting-Shows aus dem Fernsehen? Ganz früher bezogen sie sich nur aufs Singen und Tanzen. Mein vermeintliches Problem: Ich zähle beides zu meinen Begabungen. Meine Vorstellung: Am Casting teilnehmen, die Bude rocken, neue Skills lernen und kurz vorm Finale sagen: „Alles klar. Danke und Tschau!". Im langen Kennenlerngespräch mit meinen Stimmen hat sich folgendes ergeben:

  • Der Kinästhet, also Tänzer, in mir, möchte sich in Bewegungen verlieren. Er braucht „Flow”-Zustände und muss sich regelmäßig intensiv austoben können. Hat aber auch nichts dagegen neue Techniken und Moves zu lernen.
  • Die Diva, also die Sängerin, ja, sie möchte gebauchgepinselt werden und sich regelmäßig von der schönsten Seite zeigen. Komplimente erhaschen, aber bloß nicht verpflichten. Sie ist sehr launisch und findet sie kein Gehör, torpediert sie gerne andere. Typisch Zicke halt.

Verstehst du jetzt, warum du deine Begabungen nicht objektivieren darfst? Jede innere Stimme ist einzigartig und braucht individuelle Behandlung. Du musst ihre Bedürnisse ernst nehmen, du darfst sie nicht ausnutzen! Und es bedeutet: Du darfst dich nicht ausnutzen. Ja, es ist wichtig, dass wir aus unseren Fähigkeiten und Talenten einen Nutzen ziehen, einen Beitrag leisten, aber an erster Stelle steht weiterhin, dass deine Bedürfnisse gestillt sind, damit du überhaupt in der Lage bist das Beste daraus zu ziehen.

Befriedige deine Bedürfnisse!

Und damit meine ich: Sei befriedigt, indem du deine innerer Stimmen befriedigst Befriedigung ist, wenn es nicht nur rein sexuell konnotiiert verstanden wird, für mich eines der schönsten Wörter der Welt. Befriedigt sein heißt: in Frieden sein. Schaffe Frieden in dir, indem deine Talente, Begabungen nicht gegeneinander, sondern miteinander arbeiten. Sich ergänzen und eben eine Synthese bilden.

Schaffe Synergie!

Suche die Kraft, die für den Zusammenhalt und die gemeinsame Erfüllung deiner Tausend-Leben zur Verfügung steht. Arbeite an dieser, denn sie bietet das größte Potential für dein Potential. Was soll diese Kraft sein? Es ist das Verbindungselement zwischen deinen Begabungen. Eben das, was auf der Party in deinem Kopf, die Grüppchen bildet oder ein Grund sein könnte, weswegen sich unterschiedliche neue Grüppchen der inneren Stimmen bilden. Zum Beispiel ein tolles neues Projekt, indem viele als Team mitarbeiten können? Eine neue Mission? ;)

 

Diese gesamte Vorstellung mit den personifizierten inneren Stimmen ist einer Methode aus der Psychotherapie mit der Vorstellung von Persönlichkeitsanteilen angelehnt. Im Hinblick auf die vielseitige Vielseitigkeit von Vielbegabten bekommt diese Methode allerdings irgendwann eine Komplexität, in der man den Überblick verliert. Stellen wir uns allerdings unsere Begabungen als Personen vor, fällt es vor allem für visuell-begabte leichter mehrdimensional zu denken. Unsere Begabungen bekommen eine gewisse Tiefe, aber wir verlieren nicht den Überblick, wenn wir nur versuchen unsere Begabungen zu sichten.

 

Clustern, einfach Gruppieren!

Ein 100-Teile Puzzle zu lösen ist einfach, aber was ist mit einem 3000-Puzzle, oder gar 5000? Ein Profi-Puzzler gruppiert nach Merkmalen. Ich spreche hier aus Erfahrung. Er schafft Cluster von Rändern, Ecken, Farben oder etwaige Besonderheiten. Im Hinblick auf deine Scanner-Begabungen gibt es drei große Cluster, sicherlich findest du mit der Zeit mehr oder dir fallen Ausdifferenzierungen ein, bleiben wir erstmal bei den drei:

  1. Analytisch-Mathematische Fähigkeiten (Vernunft-Kopf)
  2. Sozial-Emphatische Kompetenzen (Gefühl-Herz)
  3. Künstlerisch-Handwerkliche Begabungen (Kreativität-Hand)

 

Kannst du deine Begabungen einem Cluster zuordnen, also all deine inneren Stimmen einer Gruppe? Welche Rolle nehmen sie innerhalb dieser Gruppe ein? Welche Werte gelten innerhalb dieser Gruppe? Welche Gruppen können wann zusammenarbeiten, wann ergeben sich Konfliktpotentiale? Welche gab es bisher? Wer ist am stärksten? Wann musst du Schwache schützen? Wie kannst du die Konflikte auflösen? Schnapp dir ein Blatt Papier oder ein Mind-Map-Programm und leg los.

 

Jede Stimme/Begabung hat eine bestimmte Rolle und Funktion in deinem Leben. Sie ist geprägt durch Erfahrungen und kann bestimmte Dinge und will gewisse Dinge, aber auf bestimmte Weise. Wenn du deine Begabungen verstehst, löst du die inneren Kämpfe in deinem Inneren auf. Du versuchst nicht mehr die Begabungen deinen Ansprüchen nach zu ändern, sondern nutzt die Fähigkeiten der Begabung, um Projekte zu realisieren.

 

Die Diva in mir ist eines der stärksten Rollen. Sie weiß sich zu verkaufen, ist perfektionistisch, verschafft sich Gehör. Sie ist resolut mit ihrer Meinung und legt wert auf das Erscheinungsbild. Sie will Genuss. Aber erst in Kombination mit anderen entfaltet sie all ihre Fähigkeiten und ist hilfreich. Die Diva hilft meinem Denker keine Scheu zu haben und seine Ideen zu präsentieren. Die Diva sorgt dafür, dass der Weltverbesserer den Mut hat für Benachteiligte auch mal lauter zu werden. Die Diva stimme ich — Nein, wir — glücklich indem, der Idealist auch mal die Klappe hält und nicht unbedingt erwähnen muss, dass Bescheidenheit eine Tugend wär. Die Diva hat aber gegen den Visionär immer das Nachsehen und muss kleinbeigeben, wenn sie launisch wird. Da muss sie sich beherrschen oder in ihr Hinterstübchen gehen, dann zickt sie rum. Aber man kann sie mit kleinen tollen Projekten wieder gut stimmen: Komm, hier hast du deine 5 Minuten Ruhm. Wir gehen zum Karaokeabend, dann darfste Komplimente fischen oder der Visionär hilft ihr als Gegenleistung bei einem tollen Blogbeitrag, der ihrem Ego zu Gute kommt. Wir haben Verständnis für die Diva, weil die Diva früher kleingehalten wurde. Vielleicht wär die Diva heute ein Star, aber eine Grundschullehrerin, die meinte, sie singe im Chor zu laut, machte ihr ein Strich durch die Rechnung. Das zog sich dann in die Oberstufe hinein als es hieß, dass das Mädchen doch so klug sei, wenn sie nur wolle. Weswegen letztendlich der Denker mehr Förderung und Beachtung fand. Deshalb müssen wir bei Projekten, wo Denker und Diva zusammenarbeiten (mehr als man denkt) sehr strategisch und gefühlvoll vorgehen….

 

Wieso erzähle ich diese Geschichte? Weil es bei Vielbegabten sehr wahrscheinlich ist, dass gewisse Begabungen zurückstecken mussten. Es nützt allerdings nichts, der Vergangenheit herzutrauern, es hilft allerdings, den Schmerz zu verstehen und zu schauen, wie man ihn in Zukunft loswird. Dass dir etwas fehlt, merkst du durch die Deutung deiner Fluchtfantasien. Ob ein Bereich benachteiligt ist, merkst du, wenn du die drei Cluster gegenüberstellst. Und dabei geht es nicht darum, ob alle drei Bereiche gleich groß sind. Es geht darum, ob alle Rollen/Stimmen/Begabungen eingebunden sind. Wo herrschen Synergien? Wo fehlen sie?

 

Selbsterkenntnis fängt einfach irgendwo an. Begib dich einfach auf eine Reise in deinem Kopf und lerne alle Teilnehmer der Party kennen. Die lauteste Stimme ist allerdings die, die die meiste Beachtung braucht oder diejenige, die am meisten frustriert ist. Widme dich den auffälligsten Kandidaten zuerst. Bleibst du lange genug wirst du irgendwann alle kennenlernen.

 

Wer ist deine Fähigkeit? Wie ist deine Beziehung zu ihr? Kennst du sie? Wie kannst du sie glücklich machen? Wie kannst du eine Begabung ins Gruppengeschehen einbeziehen, damit sie auch eingebunden sind Was sind die kleinen Verletzungen in den Egos? Wer hat ein zu großes Ego? Wer kann was und wer kann mit wem?

 

Ich hoffe dieser kleine Einblick in die Party in meinem Kopf, konnte dir weiterhelfen. Ich bin gespannt auf deine Rückmeldungen. Wer ist deine unterschätzte Begabung? Und wo kann sie mitspielen? :)

Kommentare

David Goebel
# David Goebel 27.05.2015
Ich finde die Idee super. Die ganzen Anteile in mir bilden Grüppchen und diskutieren schon wild untereinander, welche Projekte sie so anstarten wollen.

Über Cliquenbildung bei inneren Teams hatte ich so noch nicht nachgedacht.

Danke,
David
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